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Bestattungen und Corona, wie geht das?

Am Anfang war alles noch so weit weg. Ein anderer Kontinent, ein anderes Land und auf einmal mitten unter uns. Noch immer habe ich die Bilder aus Italien im Kopf wie Anfang des Jahres in den Kirchen die Särge mit Verstorbenen gestapelt nebeneinander standen. Kurz zuvor war ich noch mit meinen Freunden in Köln zum Rosenmontagsumzug. Wir haben ausgiebig gefeiert, gesungen und geschunkelt, wie sich das auch so gehört in Köln. Da ist es dann egal, wer du bist, was du hast oder wo du herkommst. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl von so ganz unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Nationalitäten berührt mich jedes Jahr wieder aufs Neue. Am Aschermittwoch bin ich dann wieder frohen Mutes ins Büro gegangen um meine Mitarbeiter zu unterstützen. Mit Schrecken stellte ich fest, dass man mir auswich. Ich kam aus Köln, aus heutiger Sicht ein Risikogebiet sondergleichen. Ich hatte das Gefühl, dass jeder vor jedem Angst hatte. Wie viele andere Unternehmen auch mussten wir tätig werden und für uns ein geeignetes Sicherheits- und Hygienekonzept entwickeln, denn es musste irgendwie weitergehen. Neben Beschilderung von Abstands-regeln und Hygienevorschriften beschränken wir uns seitdem darauf, Trauergespräche lediglich in unseren Räumen zu führen. Denn hier können wir den Abstand gewährleisten und die Personenzahl entsprechend eingrenzen. Was wir mit Erschrecken auch feststellen mussten ist, dass wir als Bestatter in NRW nicht System relevant sind. Und wie das anfangs so war, bekam man von heute auf morgen keinerlei Desinfektionsmittel, Einweghandschuhe und Mund-Nasenschutze mehr. Aber auch das Problem haben wir gut in den Griff bekommen. Zum einen haben wir immer ein wenig auf Lager und zum anderen konnte uns eine gute Freundin entsprechend schwarze neutrale Masken für meine Mitarbeiter, aber auch für z.B. Sargträger nähen. Denn die können den Abstand von 1.50 Metern auf dem Friedhof beim Tragen des Sarges definitiv nicht einhalten.

Bislang waren es sehr traurige 5 Monate. Viele Familien, die in dieser kuriosen Zeit jemanden verloren haben, hatten oftmals keine Möglichkeit sich am Sterbebett im Krankenhaus oder in einer Pflege-einrichtung zu verabschieden, da zu sein, dabei zu sein, Lebewohl zu sagen oder jemanden ein letztes Mal zu küssen. Das war und ist immer noch schwer und kaum auszuhalten für denjenigen der geht, aber auch für denjenigen, der bleibt.

Dann die Ungewissheit, ob wir den Familien wenigstens einen Abschied ermögliche können am offenen Sarg. Anfangs haben wir vom Verband die Empfehlung bekommen, jeden Verstorbenen wie einen Corona infizierten zu behandeln. Also war keine offene Aufbahrung möglich. Beisetzungen durften nur noch im engsten Familienkreis unter freiem Himmel stattfinden. Da stellte sich die Frage wer gehört zum engsten Familienkreis? Sicher der Partner, die Kinder und die Eltern. Was ist aber mit Enkelkindern, Urenkeln und Geschwistern? Es war für viele Familien wirklich eine Zerreißprobe zu entscheiden, wer an der Beisetzung teilnehmen durfte und wer nicht. Es gab so manche Beisetzung mit lediglich drei Familienangehörigen.

Jetzt haben wir Anfang August 2020. Viele drastische Einschränkungen sind seit wenigen Wochen aufgehoben. Trauerfeiern unter freiem Himmel können wieder mit Familienangehörigen und Freunden gehalten werden. Hier ist lediglich auf den Abstand zu achten. Die Kirchen haben auch wieder geöffnet und man könnte auch wieder Seelenämter in den Kirchen halten. Wir stehen im ständigen Kontakt mit den verschiedenen Pfarreien und sind somit immer auf dem neusten Stand über das, was an welchem Friedhof und in welcher Kirche möglich oder auch nicht möglich ist. Besuche sind eingeschränkt wieder in den Pflege-einrichtungen und Krankenhäusern möglich, man hat wieder die Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Und wir können für die Familien Abschied wieder erfahrbar machen, bei uns im Haus des Abschieds, aber auch an verschiedenen Friedhöfen.

Laut der Medien ist die 2. Corona-Ansteckungswelle in Deutschland, bei uns in NRW, in Ahaus, Gronau, Heek und Umgebung bereits da. Lassen sie uns gemeinsam aufpassen, geben Acht auf uns und unsere Mitmenschen, sodass wir keinen 2. Lockdown erleben müssen.

Herzlichst

Steffi Lindebaum

 
Gerne können sie uns zum Thema Gedankenaustausch auch eine E-Mail senden an: info@bestattungen-lindebaum.de mit dem Stichwort „Gedankenaustausch“.